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Orgel Johanneskirche

Katharina BereiterFörster & Nicolaus
Orgel Johanneskirche

Die Orgel der Johanneskirche
(Einweihung 1983)

Klangliche und technische Erläuterungen

Die im Jahr 1900 durch die Firma Walcker/Ludwigsburg erbaute Orgel der evangelischen Johannes-Kirche Hofheim war im Lauf der Jahre immer störungsanfälliger geworden. Ständig mussten überalterte und zerplatzte Lederbälgchen ihrer pneumatischen Traktur repariert und andere Fehler abgestellt werden. Da ohnehin das technische System der Röhrenpneumatik wegen lästiger Verzögerungen zwischen Tastenanschlag und Toneinsatz einem ausgebildeten Organisten heute kaum noch zugemutet werden kann, entschloss man sich zum Bau einer Orgel mit Schleifladen und mechanischer Traktur. Erhalten blieben das stilistisch gut zur Innenausstattung der Kirche (Kiefernholz) passende Gehäuse der Vorgängerin sowie 27 Holzpfeifen des Pedalregisters Subbass 16'.

Die Spielanlage der neuen Orgel ist nicht mehr ein frei davor gebauter Spieltisch, sondern ein direkt in ihr Untergehäuse eingelassenes Pult. Die Anzahl der Klaviaturen ist wie bei der alten Orgel: Zwei Manualklaviaturen, eine Pedalklaviatur; doch finden sich jetzt 18 Pfeifenregister mit insgesamt 1218 Pfeifen (Vorgängerin: 12 Pfeifenregister, 785 Pfeifen). Die Pfeifenregister werden mit handlichen Knöpfen aus Nussbaumholz geschaltet, deren Zugstangen durch das Gehäuse ins Orgelinnere führen. Über der Spielanlage stehen in der Gehäusefront, dem Prospekt, glänzende Pfeifen aus einer hochprozentigen Zinnlegierung des Registers Principal 8'. Sie klingen voll und singend. Mit 6 weiteren Pfeifenregistern, die teils heil und kräftig, teils rund und weich klingen, bilden sie das sog. Hauptwerk der Orgel. Es hat einen gravitätischen Gesamtklang und ist mit Zugleisten aus feinem Fichtenholz, die durch Winkel und Hebel umgeleitet werden und über Wellen laufen, mit den Tasten der unteren Manualklaviatur verbunden.

Die obere Manualklaviatur ist über eine ebenso konstruierte mechanische Traktur mit dem zweiten Teilwerk der Orgel, dem sog. Schwellwerk, verbunden. Hier stehen wieder 6 Pfeifenregister, umgeben mit einem Kasten aus starkwandigem Holz. Das hält ihren Klang zurück und dämpft ihn; doch kann er, wenn die auf der Vorderseite des Kastens befindliche Lamellenwand vom Organisten mittels Balanciertritt geöffnet wird, frei aus erhöhter Position in den Kirchenraum strahlen. Durch allmähliches Bewegen der Lamellen-Jalousien ist es möglich, den von Natur aus unbeweglichen Orgelton stufenlos anschwellen zu lassen und wieder abzuschwellen, eine Voraussetzung für die stilgerechte Wiedergabe zahlreicher Orgelkompositionen des 19. und 20. Jahrhunderts. In die Windführung des Schwellwerkes eingebaut ist auch ein Tremulant, eine Vorrichtung, die schon der alte Orgelbau oft anwendete. Mit ihm lassen sich lebhafte Schwingungen der Pfeifentöne erzeugen, ähnlich dem Vibrato der menschlichen Singstimme.

Schließlich besitzt die Orgel noch ein drittes Teilwerk. Hier stehen die größten Pfeifen - 5 Register - ganz im Hintergrund. Es handelt sich um das sog. Pedal, das Fuß- oder Bassklavier. Was anderen Instrumenten versagt ist, kann allein die Orgel: Einen Ton unbegrenzt lange anhalten. Es ist sehr beeindruckend, wenn auf dem Pedal ein tiefer, markanter Dauerton von den Manualen in lebhaften Figurationen umspielt wird.

Die neue Orgel hat folgende Disposition

Hauptwerk, unteres Manual Schwellwerk, oberes Manual Pedalwerk
56 Tasten, C-g3
Principal 8'
Rohrflöte 8'
Octave 4'
Gedackt 4'
Oktave 2'
Mixtur 4fach
Trompete 8'
56 Tasten, C-g3 
Gedackt 8'
 Blockflöte 4'
 Principal 2'
 Quinte 1/3'
 Zimbel 3fach
 Krummhorn 8'
30 Tasten, C-fl1
Subbass 16'
Oktavbass 8'
Hohlflöte 4'
Rauschpfeife 3fach
Posaune 16'

Sie stellt - soweit man den Vergleich wagen kann - ein 18-köpfiges Orchester dar, das in drei Gruppen mit 7, 6 und 5 Instrumentalisten unterteilt ist. Die einzelnen Gruppen (Hauptwerk, Schwellwerk, Pedalwerk) sind wiederum als kleine Orchester mit gegensätzlicher Charakteristik aufzufassen, die oft im Wechsel musizieren, aber auch solistisch oder alle zusammen.

Der Zusammenfassung aller Pfeifenregister zum "Vollen Werk" dienen 3 Koppeln: Hauptwerk zu Pedalwerk, Schwellwerk zu Pedalwerk und Schwellwerk zu Hauptwerk. Wenn die Koppeln mittels der Einhaktritte geschaltet sind, werden beim Anspielen der unteren Manualklaviatur die entsprechenden Tasten der oberen Manualklaviatur mitbewegt oder beim Anspielen der Pedaltastatur die entsprechenden Tasten des Unter- und Obermanuals.

Manfred Nicolaus Orgelbaumeister

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